Arndt Tomás Aphorismen von Hans Arndt - Seite 6/8
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Aphorismensammlung von Hans Arndt - Zitatsammlung "Im Visier"

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Individuelle Taktik

Ihre erste kleine Nachgiebigkeit war für ihn der Brückenkopf seines siegreichen Feldzuges.

Er liebte die Schönheit - womit er sich oft entschuldigte.

Sie verführte ihn, auf das er sie verführe.

Die Frauen nährten seinen Dünkel und lebten von seiner Instinktlosigkeit.

Er schmeichelte ihren Fehlern wie seinen Helfershelfern.

Sie vertraute der Gewichtsverlagerung: Sie machte ihm Geständnisse.

Jeder ist sich selbst der Nächste, sagte die Zwanzigjährige, als sie den ältlichen Millionär nahm - der das gleiche dachte.

*

*

Notlösung

Er kam in die Jahre und heiratete, weil er die Ausnahme fürchtete.

Sie haben sich verlobt: Der Klatsch wird entnervt.

Er schaffte sich einen Hund an, um die menschlichen Triebfedern an der Quelle zu studieren.

Im Varieté X: "...Sie sehen jetzt einige wechseljährige Tanzeinlagen."

*

Spiritismus

Er sah Gesichter - aber leider keine freundlichen.

Das Geräusch des Holzwurms ließ sie näher zusammenrücken.

Beim Tischrücken sprang das Möbel erst, als ihre Beine sich verschlangen.

Der Geist der Erbtante erschien schon zu Lebzeiten, als von ihrem Testament die Rede war.

*

Kurzstrecke

Sie nahmen sich voneinander, was sie brauchten, und einigten sich auf Verlobung.

Nachdem er sich vom Nihilismus zum Fatalismus durchgerungen hatte, waren seine Kräfte erschöpft.

Ihr geistiger Konkurrenzkampf glich einem Wettrennen zwischen Schnecken.

Die Gerade ihres Lebensweges lag zwischen Range und altgewordener Göre.

*

Subjektive Ideale

Er litt an Größenwahn innerhalb seiner Bescheidung.

Die Schamlosigkeit der Trompete diente ihrem Gesang zum Vorbild.

Als sie deklamierte, war man mitten im Ausverkauf der Höhepunkte.

*

Eingeblendet

Großstadt Krähwinkel: Stadt des diskreten Klatsches und des unsichtbaren Geschmackes.

Kurz vor dem Höhepunkt der Krise: Sie versicherten sich ständig ihrer gegenseitigen Hochachtung.

Vertagt: "...Haben Sie gedacht, ich bin Ihr Feind? Nein, nein, das kann ich mir noch lange nicht leisten."

Materielle Ungeduld: Sie trennen sich, da ihnen ihre gegenseitigen Probleme keinen Nutzen brachten.

Semper idem: Unglück war für ihn identisch mit unvorhergesehenen Ausgaben.

*

Ohne Bedenken: Es wird vertagt - man fordert den Tod heraus.

Existenzaufbau: Er ist Hotelboy und erlernt die kommerzielle Höflichkeit.

Pleonasmus: Beim Betrachten so mancher Sexbombe gerät auch ein Zirkel in Neid.

Lärmende Bewußtseinsstudie: ...schließlich überwachte er sich selbst und kam aus dem Bellen gar nicht mehr heraus.

*

So Mancher...

So mancher wohnt bei manchem in geistiger Untermiete.

So mancher hat mit seinen Augen verschiedene Bestrebungen.

So mancher läuft beim Anblick eines manchen inoffizielle Bestzeiten.

So manchem möchte man zur Wiedergeburt dringend abraten.

So manche Pause bedeutet zugleich das Ende.

So mancher Komplex ist tief berechtigt.

*

*

Typen Im Blitzlicht

Der Schlaflose multipliziert die Ereignisse.

Der Nervöse ringt um Güte.

Der Geduldige ist gut zu sich selbst.

Den Phantasievollen quälen die Möglichkeiten.

Der Naive spricht nur in direkter Empfindung.

Der Furchtsame datiert vor.

Der Jähzornige erblindet in der Erregung.

*

Der Mühsame erleidet die Aufgabe.

Der Sentimentale klebt an seiner verschlackten Empfindung.

Der Instinkthafte reiht sich ein.

Der Lauwarme ist der Nutznießer seiner Unausgesprochenheit.

Der Einzelgänger spricht intime Dinge nur mit seinem Double.

Der Komplizierte überrascht durch seine Reaktionen.

*

Der Verliebte kompensiert das Unzulängliche.

Der Eifersüchtige lebt nur in der Einatmung.

Der Wichtigtuer tritt aus Ungeduld in die Pfütze.

Der Empörte erlöst sich in der Übertreibung.

Der Mißtrauische sieht die anderen im Flutlicht seiner Erfahrungen.

Der Pedant präzisiert auch seine Fehler.

*

Der Exaltierte übertreibt aus Angst, noch zu wenig zu sagen.

Der Egozentrische übersieht die Tode seiner Umgebung.

Der seelische Masochist regeneriert am Hoffnungslosen.

Der Fanatiker sieht vom Kreis nur einen Sektor.

Der Verführer beginnt in der Konvention und endigt im Unmittelbaren der Improvisation.

Der Süchtige lebt von einer Hypothek, deren Rückzahlung ihm völlig gleichgültig ist.

*

Der Enthaltsame entsaftet das Leben.

Der Primitive befindet sich stets in Gesellschaft.

Der Spötter hört die Obertöne.

Der Unbelehrbare pflegt seinen Irrtum.

Der Arrogante entwickelt sich nurmehr über rückwärts nach vorwärts.

Der Neugierige lauscht gespitzten Ohres auf geheime Preisgaben.

*

Der Phrasenmacher schont sich in erster Linie selbst.

Der Weltmann bewegt sich abgerundet.

Der Provinzler setzt sich auf die Nuance.

Der satte Parvenu lobt die Kunst.

Der Existenzlose zehrt vom Visuellen.

Der Unerbitterliche sieht in jeder Chance die einzige.

*

*

Der Geck ist das Opfer seines eigenen Schönheitsideals.

Der Streber bitten den Schlaf um die Wachhaltung seines Vorhabens.

Der Intrigant leidet darunter, daß er sich seiner Kunst nicht rühmen kann.

Der Gefallsüchtige zählt die Runzeln seiner Freunde.

Der erotische Opportunist sieht in den Frauen variable Voltzahlen.

Der Snob befestigt seinen Rettungsgürtel an der Dekadenz.

*

Der Ausschließliche geht seinen Weg in rechten Winkeln.

Der Vamp ist der bewußte Verwerter seiner Anziehungskraft.

Der Spaßmacher läuft nur um ein geringes schneller als der Ernst, der ihn verfolgt.

Der Unschuldige ist oft nur erlebnisarm.

Der Ästhet kommt ganz ohne Fußtritte nicht aus.

Der Menschenfreund genießt die Immunität des Ahnungslosen.

*

Der Schwärmerische umgeht die Durchführung seines Lebens.

Der Chauvinist verleiht Gott die Staatsangehörigkeit seines Landes.

Der Hypochonder befiehlt sich die Wahrnehmung eigener Krankheiten.

Der Humorlose möchte am liebsten seinen Erzeuger wegen groben Unfugs belangen.

Der Ehrgeizige und der Würdige lachen nur aus Versehen.

*

Der Voreilige und der Aufrichtige müssen stets revidieren.

Tröpfe belächeln einander.

Leisetreter bekämpfen sich schwebend.

*

En Passant

In dieser Verbindung schielte er nach der Tapententür.

Es gelang ihm immer nur stundenweise, sie über ihr Mißgeschick in der Liebe zu trösten.

*

Ertraglos

Seine Rechtschaffenheit war so flammend, daß sie noch ein Loch in den Himmel brannte.

Sie erwachte immer erst dann, als die Männer schon schliefen.

Seine nicht umrissenen Ziele machten ihn zum Fanatiker ins Leere.

*

Schattenreflex

Wenn ein Ehepaar auch aufeinander herumprügelt, so werden sie doch voneinander berührt.

Sie verglich ihn ständig mit ihrem zweiten Mann, bis es ihm gelang, auch so ähnlich zu lächeln.

Im Genuß des Triumphes, Ungefragtes an den Mann gebracht zu haben, rühmt sie sich vieler Beziehungen.

*

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Comments page 3 of 3
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Lotta
Posted 142 days ago
You get a lot of respect from me for writing these helpful quotes.
Jady
Posted 143 days ago
No complaints on this end, simply a good piece.
Trish
Posted 143 days ago
AKAIK you've got the answer in one!
Sparky
Posted 180 days ago
I am froever indebted to you for this information.
Dahrann
Posted 182 days ago
This is exactly what I was looknig for. Thanks for writing!
Peter Schwerl
Posted 1037 days ago
Die Aphorismen von Hans Arndt gefallen mir sehr. Danke für die Veröffentlichung! Peter Scherl
Berichterstattung
Posted 1283 days ago
Stil hat Hans Arndt durch viele weise Sprüche, keine Frage! Neben allgemeinen Weisheiten hat er sich auch intensiv mit dem Thema Frauen, Tod, Freundschaften und Weltgeschichte auseinandergesetzt. Mir persönlich gefallen viele seiner Aphorismen...
Herbert
Posted 1307 days ago
Eine großartige Sammlung eines großartigen Schriftstellers!
 

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